Saphir – Besuch des Unternehmens, das die besten Schuhcremes der Welt herstellt
SAPHIR, DAS ERBE DES FRANZÖSISCHEN LEDERS
Die Geschichte der Schuhcreme ist untrennbar mit der Geschichte des Leders verbunden. Bereits im Mittelalter bereiteten Gerber und Schuhmacher Mischungen auf Wachsbasis vor, um Schuhe zu pflegen, zu schützen und zum Glänzen zu bringen. Die Heiligen Crispin und Crispinian, Schutzpatrone der Schuhmacher, symbolisieren diese alte Verbindung zwischen handwerklichem Können und Material.
Im 18. Jahrhundert tauchten die ersten Rezepturen für Schuhcreme auf: Talg, Öl, Ruß und Terpentin. Diese noch instabilen und geruchsintensiven Mischungen wurden im folgenden Jahrhundert immer raffinierter. Chemische Fortschritte ermöglichten homogenere Pasten, und Kriege beschleunigten die Verbreitung: Armeen pflegten ihre Stiefel, die Industrie verbesserte die Formeln. In Frankreich stattete Alexis Godillot die Soldaten Napoleons aus, und sein Name wurde zum Synonym für robuste Schuhe – die berühmten "Godillots".
Mit der Industrialisierung nahm die Schuhcremeproduktion eine neue Dimension an. Das Auftauchen der Weißblechdose Ende des 19. Jahrhunderts veränderte alles: praktischer, widerstandsfähiger und besser haltbar als Glastiegel erlaubte sie Massenproduktion. 1889 wurden in Europa fast 30 Millionen Kilo Schuhcreme hergestellt, davon zwei Drittel in Frankreich. Von Faverges bis Lyon verschickten Werkstätten wie Jacquand oder Berthoud ihre Dosen weltweit.
In diesem Kontext entstand Saphir im Jahr 1920. Gegründet von der Familie Destagnol, etablierte sich die Marke schnell als Referenz für Lederpflege. 1925 mit einer Auszeichnung auf der Pariser Weltausstellung geehrt, exportierte sie bereits in den 1950er Jahren bis nach New York. Die berühmte "Pâte de Luxe" zeichnet sich durch ihre Rezeptur mit Bienenwachs und Terpentin aus, die das Leder nährt, ohne es zu ersticken, und ihm einen tiefen Glanz verleiht.
In den 1970er Jahren übernahm Avel, kurz zuvor von Alexandre Moura gegründet, Saphir. Das Familienunternehmen mit Sitz in Magnac-Lavalette hauchte der Marke neues Leben ein und bewahrte die 100% französische Produktion. Heute unter der Leitung von Marc Moura stellt das Unternehmen das gesamte Saphir-Sortiment her – darunter die prestigeträchtige Médaille d’Or, geschätzt von Schuhmachern, Schustern und Liebhabern edler Schuhe.

Die Produkte von Saphir Médaille d’Or sind besonders geeignet für "wenig behandelte" Leder, also solche, deren Oberfläche noch atmungsaktiv bleibt (Anilin, Semi-Anilin, Box-Calf, volles Kalbsleder …). Diese Leder nehmen Wachs und natürliche Öle besser auf und profitieren voll von der Wirkstoffvielfalt der Formeln.
Die Produktlinie Saphir Beauté du Cuir bietet dagegen eine viel größere Farbauswahl und ein erweitertes Angebot, besonders für die Pflege von Lederwaren.

In Magnac-Lavalette, in den Saphir-Werkstätten
Ich hatte das Glück, die Fabrik von Avel zu besichtigen, wo die meisten historischen Rezepturen noch bei der Herstellung der Formeln verwendet werden.
Die Besichtigung beginnt im Showroom, einem ruhigen Raum, in dem die verschiedenen Marken des Konzerns präsentiert werden. Dort sieht man den Umfang der Kooperationen: Mehrere Pflegeprodukte wurden für Häuser wie Crockett & Jones, Cheaney oder Longchamp entwickelt. Jede Marke verfügt über eigene Farbtöne und Finishes, die im benachbarten Labor entworfen werden.
Auf den Regalen, zwischen den Dosen und Bürsten, fiel mir auch eine Reihe heller Holzspannleisten auf. Diese stammen von Perfecta, einer Firma der Avel-Gruppe nahe Limoges, spezialisiert auf die Herstellung von Spannleisten und Leisten aus Buche oder Zeder. Ihre Anwesenheit erinnert daran, dass Lederpflege nicht mit den Pflegeprodukten endet, sondern bis zur Formbewahrung des Schuhs reicht.

Das Lager
Direkt neben dem Showroom lagert das fertige Produkt, versandbereit. Paletten mit Schuhcremedosen, Cremes, Lotionen und Sprays sind nach Sortiment und Farbe sortiert. Der helle und moderne Raum entspricht den strengsten Sicherheitsvorgaben, die bei der Arbeit mit Lösungsmitteln und Treibgasen notwendig sind. Die Organisation ist streng: Jede Charge wird identifiziert, kontrolliert und für Bestellungen an Boutiquen und Händler in Frankreich und international vorbereitet.

Die Produktionswerkstatt ("die Küche")
Ein weiteres Gebäude wenige Meter vom Lager entfernt beherbergt den lebhaftesten Teil der Produktion. Hier werden Wachse, Pigmente und Lösungsmittel gemischt, um die Cremes und Pasten von Saphir herzustellen. Die Atmosphäre ist intensiv, geprägt vom Rühren der Kessel und dem dumpfen Klang der Mischmaschinen. Die Düfte sind charakteristisch: angenehm harzig und wachsig, manchmal auch kräftig, was an die Verarbeitung flüchtiger Stoffe erinnert.
Ich konnte die Herstellung der Saphir Médaille d’Or Schuhcreme 1925 beobachten. Bienenwachs, Carnaubawachs und Montanwachs werden geschmolzen und mit Lösungsmitteln und Farbpigmenten vermengt. Die Formel enthält kein Wasser; sie bleibt dicht und stabil, so dass sie das Leder nährt und einen langanhaltenden Glanz garantiert.
Das ist wohl der faszinierendste Teil der Besichtigung: Man sieht, wie das Rohmaterial zum Produkt wird.

Oben im Bild: links Bienenwachs (so hell wie möglich für farblose Cremes), rechts Carnaubawachs, das oft mit Montanwachs kombiniert wird. Dieses verleiht den Glanz und ermöglicht das Schuhglasieren.

Das Labor
Das Labor befindet sich ebenfalls im Obergeschoss des Hauptgebäudes. Der ruhige, helle Raum steht im Kontrast zur geschäftigen Werkstatt.
Hier werden die Formeln entwickelt und angepasst. Die Techniker testen Textur, Glanz und Haltbarkeit der Produkte je nach Lederart und Farbpigmenten. Sowohl historische Rezepturen als auch neuere Entwicklungen, beispielsweise PFAS-freie Formelen mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit, werden hier bearbeitet.
Im gleichen Raum werden auch maßgeschneiderte Farbtöne für Kunden definiert: Manche verlangen einen sehr präzisen Braun- oder Bordeaux-Ton, abgestimmt auf ein bestimmtes Modell.
Jede neue Produktionscharge wird hier entnommen und vor Ort aufbewahrt, um bei Kontrollen oder Reklamationen analysiert werden zu können.

Letzter Schritt: Abfüllung
Die geschmolzenen und homogenisierten Mischungen aus Wachsen und Pigmenten werden heiß in Glastiegel für die Médaille d’Or-Serie gefüllt.
Anschließend folgt eine kontrollierte Abkühlung, damit das Wachs langsam erstarrt und die endgültige Textur erhält. Nach dem Abkühlen werden die Dosen verschlossen, etikettiert und sortiert, bevor sie ins Lager gebracht werden.
Dieser Abschnitt ist wahrscheinlich der visuell beeindruckendste bei der Besichtigung: Man verfolgt die Verwandlung von heißer Flüssigkeit zu festem, stabilem Produkt.

Ein paar abschließende
Worte Oft vergisst man, dass der weltweite Marktführer für Pflegeprodukte von hochwertigen Schuhen in Frankreich beheimatet ist. Die größten Schuh- und Lederwarenhäuser verwenden diese Produkte, die hier nur wenige Stunden von Paris entfernt hergestellt werden. Ein Jahrhundert nach seiner Gründung lässt Saphir die Schuhe weiter wie ein Stück Kulturerbe erstrahlen.
Es war mir eine Freude, dieses Unternehmen zu besuchen und seine Hintergründe erzählen zu dürfen.
Author : Thomas des Indispensables Paris